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„Fleischfrei” für die Pfanne und aufs Brot mit Rügenwalder

Kategorie Allgemein, Lebensmittel, Vegetarisch, Weser-Ems 16. September 2015
„Fleischfrei” für die Pfanne und aufs Brot

Vegetarische Produkte von Rügenwalder

Der Wursthersteller „Rügenwalder Mühle“ will künftig auch vegetarische Wurst anbieten. Das hat Firmenchef Christian Rauffus mitgeteilt. Seit drei Monaten gibt es bereits eine vegetarische Sparte.

„Die Wurst ist die Zigarette der Zukunft“, so der gelernte Metzger Rauffus. Bald werde es ebenso verpönt sein, Wurst zu essen, wie heute schon das Rauchen, soll das heißen. Nach Einschätzung von Spiegel Online dürften diese ungewöhnlichen Aussagen wohl eine Mischung aus gutem Geschäftssinn, notwendiger Innovation, ein wenig ethischer Verantwortung und einem altersmilden Firmenchef sein. Schließlich verkauft Rügenwalder seit 180 Jahren Würste, Aufschnitt und Frikadellen.

Viele der rund 450 Mitarbeiter sind gelernte Metzger. Es soll daher nicht leicht gewesen sein, die Belegschaft und die Verantwortlichen von den vegetarischen Produkten zu überzeugen, ist zu hören. Mehrfach wurde der Veggieplan gestoppt, als Marketingchef Godo Röben im Urlaub war. Dieser spricht von einem „Kampf“ – allen hat er seine Idee vorgetragen, aber keiner wollte mitziehen, außer Firmenchef Rauffus. 

Rügenwalder will nicht schuld sein am Untergang der Welt

Schließlich riss Röben alle mit seinem Vortrag mit. Dutzende Male hat er ihn gehalten: vor der Belegschaft, der Geschäftsführung, dem Vertrieb, den Beiräten, sogar vor der Verbraucherzentrale, vor Greenpeace und Foodwatch. Der Vortrag beginnt in der Steinzeit bei den Jägern und Sammlern und endet im Jahr 2050 mit dem Untergang der Zivilisation. Die Kurzfassung lautet: Die Welt geht am grenzenlosen Fleischkonsum zugrunde, und Rügenwalder will nicht mit daran schuld sein, schreibt der Spiegel.

Und auch Firmenchef Rauffus ist sich sicher, dass das Unternehmen aus dem Mainstream herauszusteuern kann. Rügenwalder kann, weil viele folgen werden, so der Unternehmer. „Unsere Marke steht gut da, der Wurstmarkt nicht. Die Herstellung von vegetarischen Produkten ist also nur logisch.“

„Die Welt ist nicht gerettet, wenn es keine Wurstfabriken mehr gibt, aber wir müssen etwas ändern. Für mich geht es nicht um das arme Tier, auch weiß ich nicht, ob vegetarisches Essen wirklich gesünder ist. Aber die Fleischproduktion verbraucht zu viele Ressourcen, das ist unstreitig“, argumentiert Rauffus. Die Entscheidung, vegetarische Produkte einzuführen, „war aber eine kaufmännische“.

Plan scheint aufzugehen

Bei den Kunden kommt das offenbar gut an. Unterstützt von einer 20 Mio. Euro teuren Werbekampagne (der komplette Marketingetat für 2015) boomt der Absatz: Schon drei Monate nach Einführung sind vier der zehn meistverkauften Rügenwalder-Produkte fleischfrei. Das Ziel, 30 % des Gesamtumsatzes mit vegetarischen Produkten zu erzielen, soll nun schon Ende 2016 erreicht werden – geplant war 2020. 

So konnte sich Rügenwalder ein Stück weit freimachen von den Problemen, die die übrige Branche plagen. Der Wurstumsatz in Deutschland geht seit Jahren immer weiter zurück. Allerdings spürt das Unternehmen nun auch Anfeindungen aus der Branche und vom Handel.
Alfons Deter

BloggerAmt