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Integration am Bau: In Ostfriesland funktioniert es

Kategorie Kammern, Unternehmen 10. Juli 2015

Ramzi Lazali aus Moordorf in Ostfriesland startet mit einem Meistertitel in der Tasche als Bauunternehmer durch

Mit seinen zwei Mitarbeitern errichtet Maurermeister Ramzi Lazali derzeit einen Neubau in Riepe. Foto: HWK

Mit seinen zwei Mitarbeitern errichtet Maurermeister Ramzi Lazali derzeit einen Neubau in Riepe. Foto: HWK

Dass Ramzi Lazali mal ins Baugewerbe einsteigt, hätte er sich mit 23 Jahren bestimmt nicht träumen lassen. Damals hatte der gebürtige Algerier sein Studium zum Maschinenbauingenieur bestanden, das Land war vom Bürgerkrieg zerrüttet und er wollte eigentlich nach Holland auswandern. Eigentlich, weil er auf einem Zwischenstopp in Ostfriesland, genauer im Südbrookmerland, vor gut 25 Jahren seine Frau kennenlernte.

Rückblickend sagt der heute 50-jährige Familienvater von vier Kindern, dass er die Entscheidungen seiner beruflichen Laufbahn nicht bereut. Verständlich, hat der Moordorfer doch erst vor einem Jahr seinen Meistertitel zum Maurer- und Betonbauermeister in der Handwerkskammer für Ostfriesland bestanden und noch am selben Tag, am 30. April 2014, seinen Betrieb „Ramzi Bauunternehmung“ in die Handwerksrolle eintragen lassen. „Wir können uns vor Aufträgen nicht retten“, erzählt er. Mittlerweile beschäftigt er sogar zwei Mitarbeiter: „Einen habe ich erst gestern eingestellt.“ Gemeinsam errichten sie derzeit einen Neubau für einen Zwei-Parteien-Bungalow in Ochtelbur-Riepe. Zuvor hatte der Handwerker, der mit seinem Vornamen angesprochen werden möchte, „alle kennen mich als Ramzi“, sein Geld mit Renovierungs- und Sanierungsarbeiten verdient.

Dass sein Studium in Deutschland nicht anerkannt wurde, darüber ärgert er sich schon ein bisschen. „Ingenieur ist Ingenieur“, sagt er. Für ihn sei es sehr schwer gewesen, aufgrund der deutschen Bürokratie Fuß zu fassen. Er kenne viele Studierte, die „nie dazwischen gekommen sind“ und immer noch in Gelegenheitsjobs wie Taxi fahren hängen. Auch Ramzi war sich nicht zu schade. Das erste Kind war unterwegs und dann „mutt dat even gahn“, sagt er auf Platt. Dann muss das eben gehen. Er arbeitete in einer Fleischerei oder erledigte Hausmeisterjobs bis er 1994 als Hilfsarbeiter auf dem Bau anfing. Dort lernte er nach und nach das Maurerhandwerk von den Gesellen und Meister und nebenbei auch Plattdeutsch.

Dann, nach 13 Jahren, wollte er sich verbessern. Allerdings war er ohne Gesellenbrief an den Betrieb gebunden. „Ich wollte mein eigener Herr sein“, erzählt der Moordorfer und gründete im Mai 2009 „Ramzi’s Betrieb“ als Ein-Mann-Unternehmen. Fliesenlegen, Fug- und Einbauarbeiten standen auf dem Programm. „Es lief richtig gut. Aber alles im kleinen Rahmen“, berichtet er. Vergrößern konnte er sich nicht – die Qualifikation war wieder im Weg: „Damals hat mir die Handwerkskammer die Tür geöffnet. Durchgehen musste ich selbst.“

Trotz der Ängste, sich nach so langer Zeit fern der Schulbank zu blamieren, ließ der damals 47-Jährige sich in einen Meisterkurs im Maurer- und Betonbauerhandwerk im Berufsbildungszentrum Aurich einschreiben. Sein Studium und seine Berufserfahrung wurden angerechnet. Von seiner akademischen Ausbildung profitierte er und „mit der Zeit bin ich wieder reingekommen“. So gut sogar, dass er in Statik und Bauphysik glänzen konnte. Mathematik sei seit jeher sein Steckenpferd gewesen. Und weil er auf den Geschmack gekommen ist, belegte er gleich im Anschluss den Lehrgang zum Zimmerermeister. „Damit ich auf die Häuser auch ein Dach draufsetzen kann“, sagt er. Es stehe nur noch eine Abschlussprüfung an, dann habe er auch diesen Titel in der Tasche.

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