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Landwirtschaftliches Bildungszentrum Echem feierlich eröffnet

Kategorie Allgemein, Landwirtschaft, Ostfriesland 7. September 2015
Landwirtschaftliches Bildungszentrum in Echem eröffnet

Eröffneten das neue Landwirtschaftliche Bildungszentrum (LBZ) in Echem (von links): Kammerdirektor Hans-Joachim Harms, Landvolk-Präsident Werner Hilse, Kammerpräsident Gerhard Schwetje, LBZ-Geschäftsführerin Martina Wojahn, Landwirtschaftsminister Meyer und Landrat Manfred Nahrstedt. © Hans-Jürgen Wege

Erweiterung und Modernisierung nach fünfjähriger Planungs- und Bauzeit erfolgreich beendet

Ein großer Tag für die Landwirtschaftskammer Niedersachsen: Das Landwirtschaftliche Bildungszentrum (LBZ) der Kammer in Echem wurde heute (5. September) in Anwesenheit von 350 geladenen Gästen aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft feierlich eröffnet. Damit endet eine fünfjährige Planungs- und Bauzeit, in der das LBZ modernisiert und erweitert wurde. Im Anschluss an die offizielle Feier fanden ein buntes Hoffest und eine Scheunenparty statt, zu denen weit über 5.000 Besucher aus ganz Niedersachsen kamen.
„Das neue LBZ setzt Maßstäbe in der landwirtschaftlichen Aus-, Fort- und Weiterbildung“, sagte Kammerpräsident Gerhard Schwetje in der anschließenden Pressekonferenz. Das Bildungszentrum sei ein Meilenstein für Niedersachsen mit Strahlkraft weit über die Landesgrenze hinaus. Die Zusammenführung der Rinder- und Schweinehaltung in Echem, das Nebeneinander von konventioneller und ökologischer Tierhaltung sowie das pädagogische Konzept mit ausgewogenen Praxis- und Theorieanteilen sei in dieser Art „einzigartig in Deutschland“. Als „wichtig“ bezeichnete Schwetje den Ansatz, die Verbraucher über die Methoden moderner Tierhaltung direkt in den Ställen zu informieren. Damit werde nicht nur Aufklärungsarbeit geleistet, sondern auch zur Annäherung von Landwirtschaft und Gesellschaft beigetragen.

Schwetje bezeichnete das neue LBZ als „Drehscheibe“ für den Wissenstransfer in die landwirtschaftliche Praxis. „Neue Erkenntnisse, die auf wissenschaftlichen Untersuchungen basieren, können über die Bildungsangebote des LBZs direkt auf die Höfe transferiert werden“, erklärte der Kammerpräsident. Dabei werde man die inhaltlichen Schwerpunkte immer wieder neu setzen.

„Die Erweiterung des Ausbildungsstandortes Echem ist eine gute Investition, um die Zukunft Niedersachsens als Agrarstandort Nr. 1 zu sichern“, sagte Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer. Er begrüßte die Bündelung der Ausbildung in der Tierhaltung im LBZ. Nicht nur der technische Fortschritt erfordere eine hohe Qualität der Ausbildung, sondern auch die veränderten Ansprüche an eine tierschutzgerechtere Haltung. „So stellt sich die Ausbildung den zunehmenden gesellschaftlichen Veränderungen in Bezug auf Tiergerechtigkeit und Tiergesundheit“, so der Minister.

Er hofft, dass es gelingt, in den modernen Stallungen auch in Zukunft alle Anforderungen an tiergerechte Haltungen so zu vermitteln, wie sie in der Praxis erforderlich sind. „Ich begrüße ausdrücklich, dass nun die Möglichkeit geschaffen wurde, allen Auszubildenden in Echem auch die Grundlagen der ökologischen Tierhaltung anschaulich zu vermitteln.“ Dass der Beruf des Landwirtes auch mit den gestiegenen Anforderungen weiterhin sehr beliebt und attraktiv sei, zeige sich an den erfreulichen Ausbildungszahlen. „Sie haben sich seit 2002 verdoppelt“, erklärte Meyer.

„Im neuen LBZ Echem wird die überbetriebliche Ausbildung in den Bereichen Rind und Schwein zukunftsweisend gestaltet“, sagte Landvolk-Präsident Werner Hilse als Vertreter der Landwirtschaft. Die neuen Lehrwerkstätten zeigten neue Entwicklungen in den unterschiedlichen Wirtschaftsweisen der Landwirtschaft. „So können sich angehende Landwirte ein Bild von den verschiedenen Haltungssystemen in der Tierhaltung machen, sie direkt vergleichen und danach entscheiden, wie sie künftig arbeiten wollen“, so der Landvolk-Präsident.

Auch erfahrene Praktiker profitierten von den „umfassenden Fort- und Weiterbildungsangeboten auf höchstem Niveau“. Die regelmäßige Teilnahme sei für jeden Bauern unerlässlich, um das eigene Wissen stets auf aktuellem Stand zu halten. Ausdrücklich begrüßte Hilse das LBZ-Vorhaben, den Verbraucherdialog aktiv zu fördern. Das sei „wichtiger denn je“, um die gesellschaftliche Akzeptanz der herkömmlichen Landwirtschaft zurückzugewinnen. Gleichzeitig bekämen junge Landwirtinnen und Landwirte Anregungen für die Öffentlichkeitsarbeit auf ihren Höfen.

Der Landrat des Landkreises Lüneburg, Manfred Nahrstedt, zeigte sich erfreut darüber, „dass Echem der zentrale Ort für überbetriebliche Ausbildung in ganz Niedersachsen ist“. Das LBZ habe als Schaufenster für die Landwirtschaft Vorbildcharakter, denn es trage maßgeblich dazu bei, „eine verbraucher- und tiergerechte, zukunftsfähige Landwirtschaft zu erhalten und zu sichern.“

Die Erwartung der Gesellschaft an moderne Tierhaltung brachte Pastorin Ricarda Rabe, Kirchlicher Dienst auf dem Lande der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, so auf den Punkt: „Nutztiere sollten während ihres Lebens ohne Leid, Angst und Schmerz gehalten werden, es soll ihnen gut gehen.“ Die neuen Lehrwerkstätten in Echem würden dazu beitragen, Tierhalter in diesem Sinne immer weiter zu perfektionieren. Einen Schwerpunkt sieht sie darin, neue wissenschaftliche Erkenntnisse und langjährige Erfahrungen zu kombinieren. „Am Ende muss es beiden Seiten gut gehen: den Tieren und den Menschen“, formulierte die Pastorin als Ziel. Ausdrücklich würdigte sie den Beitrag des LBZs zum Dialog von Landwirtschaft und Gesellschaft.

Einige Eckdaten des neuen LBZs nannte Geschäftsführerin Martina Wojahn: In der Lehrwerkstatt Rind werden 150 Kühe in verschiedenen Aufstallungsformen gehalten und mit verschiedenen Systemen (automatisches Melksystem und konventionelle Melktechnik) gemolken. Hinzu kommen die weibliche Nachzucht (90 Rinder) sowie 25 Mutterkühe. In der Lehrwerkstatt Schwein stehen künftig im konventionellen Bereich 270 Sauen, 1.275 Ferkel und 1.275 Mastscheine. Die ökologische Schweinehaltung zählt 32 Sauen, 84 Ferkel und 285 Mastscheine. Geschäftsführerin Wojahn betonte, dass „die Lehrwerkstätten Rind und Schwein den Vorgaben des niedersächsischen Tierschutzplans entsprechen“.

Für das Schaufenster Landwirtschaft werden 25 Stück Damwild im Gehege, 30 Leineschafe und einige Ziegen und Hühner gehalten. Der Betrieb bewirtschaftet gut 200 Hektar, davon 110 Hektar Grünland. Das Tagungs- und Gästehaus verfügt über 15 Seminarräume und Übernachtungsmöglichkeiten für 100 Gäste, die mit regionaler Küche versorgt werden können. „Durch einen großen Freizeitbereich unter anderem mit Bistro, Mediathek und Chill-Lounge kommt bei den vorwiegend jungen Übernachtungsgästen abends keine Langweile auf“, ergänzte Wojahn.

Die Kosten für den Neubau der Schweineställe sowie die Erweiterung und Modernisierung des Rinderbereichs und des Internats bezifferte Kammerdirektor Hans-Joachim Harms auf rund 30 Millionen Euro. Davon trugen das Bundesinstitut für Berufsbildung knapp 15 Millionen Euro, das Land Niedersachsen 4 Millionen Euro und die Landwirtschaftliche Rentenbank knapp 700.000 Euro. Etwa 10 Millionen Euro bezahlt die Kammer.

Pro Jahr rechnen die Verantwortlichen mit 7.000 Gästen, knapp 2.000 Auszubildenden und rund 5.000 Besuchern der Fort- und Weiterbildung. Hinzu kommen 3.000 Gäste außerhalb der Landwirtschaft, von Kindergartengruppen und Schulklassen über Jugendfreizeiten bis hin zu Vereinen und Betriebsausflügen, die sich im „Praxiscampus“ über moderne Tierhaltung informieren wollen.

Die Schulungen im Bereich der Rinderhaltung laufen bereits. Die überbetriebliche Ausbildung zur Schweinehaltung, die bisher noch in Wehnen (Landkreis Ammerland) durchgeführt wird, startet am 1. Januar 2016. Die Schweinebestände in Echem befinden sich seit Juni im Aufbau. Internat und Stallungen der Überbetrieblichen Ausbildungsstätte in Wehnen werden ab dem 1. Januar 2016 mit neuen Aufgaben weiterbetrieben.

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