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Ostfriesland: Nachwuchsschmiede für das Handwerk

Kategorie Kammern, Politik 10. Juli 2015

Haupt- und Realschulen suchen den engen Schulterschluss zu den Handwerksbetrieben in Ostfriesland

Gruppenbild der Schulvertreter und Politiker

Bundestagsabgeordneter Heiko Schmelzle (r.) holte die Handwerkskammerspitze und Schulvertreter der Haupt- und Realschulen im Landkreis Aurich an einen Tisch. Foto: HWK. Foto von links: Peter-Ulrich Kromminga, Bianka Klempin, Christine Deuter, Edzard Bartsch, Simone Ogrodnik, Albert Lienemann, Angela Mandel, Heiko Schmelzle.

Sich deutlich für den Erhalt der Haupt- und Realschulen im Landkreis Aurich positionieren und den Jugendlichen die Perspektiven einer handwerklichen Ausbildung aufzeigen: zu diesem Anliegen hat der CDU-Bundestagsabgeordnete Heiko Schmelzle Bildungsvertreter aus der Region und die Führungsspitze der Handwerkskammer für Ostfriesland eingeladen. Er wolle „den Status der Realschulen wieder aufwerten“ und die Vorzüge einer handwerklichen Ausbildung hervorheben. Sein Ziel sei es, das öffentliche Meinungsbild für die vielfältigen Karrierewege zu sensibilisieren, erläuterte Schmelzle zu Beginn des Treffens.

Zu der Gesprächsrunde konnten Hauptgeschäftsführer Peter-Ulrich Kromminga, Präsident Albert Lienemann und Angela Mandel, Geschäftsführerin des Berufsbildungszentrums, in ihren Räumlichkeiten in Aurich Bianka Klempin, Konrektorin der Realschule Aurich, Christine Deuter, Schulleiterin der Realschule Dornum, Edzard Bartsch, Schulleiter der Haupt- und Realschule Großheide und Simone Ogrodnik, Konrektorin der Haupt- und Realschule Moordorf/Moorhusen, begrüßen. „Die hohen Studienabbrecherquoten sind für mich verschwendete Ressourcen“, erklärte Kromminga. Dabei böte die duale Handwerksausbildung gleichwertige Aufstiegschancen, ohne das Risiko, durchs Bildungsraster zu fallen. So erlangten die Absolventen mit dem sogenannten „Gesellenabitur“ die Fachhochschulreife und dem Meisterbrief die allgemeine Hochschulreife. Die Eintrittskarte zum Studium.

Mit der deutlichen Positionierung zum Wirtschaftszweig Handwerk wollen sich die Schulleiter ein Alleinstellungsmerkmal als Bildungsschmiede für den Mittelstand aufbauen. „Wir brauchen den direkten Kontakt zu den Handwerksbetrieben“, sagte der Großheider Schulleiter Edzard Bartsch. Die derzeitige Situation in den Abschlussklassen: „Nur die wenigsten haben einen Ausbildungsvertrag in der Tasche. Die Schüler gehen lieber weiter an die Berufsschulen und verschenken damit Zeit“, ergänzte die Auricher Konrektorin Bianka Klempin. Paradox, da viele Handwerksbetriebe ihre Lehrstellen nicht besetzen können. Grund hierfür sei neben einer mangelnden Reife und teils Interesse, sich aktiv eine Lehrstelle zu suchen, auch, dass viele in ihrer Berufswahl noch unentschlossen seien, berichteten die Pädagogen.

Obwohl Berufsorientierungen und Praktika fest in den Lehrplänen verankert sind, wollen die Vertreter mehr bewegen: „Die Schüler brauchen noch bessere Hilfestellung, um ihnen die Angebotsvielfalt näherzubringen.“ Manchmal mangele es an ganz banalen Dingen wie der Finanzierung von Aktionen, pädagogische Freiräume oder Lehrerstunden, merkte Klempin weiter an.

Präsident Albert Lienemann sicherte den Schulvertretern seine Unterstützung zu. Die Fehler anderer europäischer Länder, die mit einer einseitigen Akademisierung zu einer enormen Jugendarbeitslosigkeit führten, dürfe die Bildungspolitik nicht wiederholen. „Jetzt ist die Zeit zu handeln, um die klaffende Fachkräftelücke zu schließen“, so Lienemann.

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