Subscribe via RSS Feed Folgen Sie uns auf Google Plus

Ostfriesland: Zwischen Handwerk und Medizin-Hightech

Kategorie Kammern, Unternehmen 11. Juni 2015

Neuer Lehrling des Monats ist Freya Diddens aus Jemgum. Ihren Kunden verhilft sie mit orthopädietechnischen Hilfsmitteln zu mehr Lebensqualität

Im Maschinenraum überreicht Dieter Friedrichs zur Auszeichnung „Lehrling des Monats“ an Jutta Sap, Freya Diddens und Matthias Sap (v.l.) eine Urkunde. Foto: HWK

Im Maschinenraum überreicht Dieter Friedrichs zur Auszeichnung „Lehrling des Monats“ an Jutta Sap, Freya Diddens und Matthias Sap (v.l.) eine Urkunde. Foto: HWK

Freya Diddens hat ihren Traumberuf gefunden: „Er passt perfekt zu mir“, sagt die 19-jährige Jemgumerin während eines Besuchs des Ausbildungsberaters Dieter Friedrichs von der Handwerkskammer für Ostfriesland. Sie suchte eine Lehrstelle, in der sie ihrem technischen Geschick und ihrer sozialen Ader gerecht werden konnte. Seit zwei Jahren lernt sie nun den Beruf zur Orthopädietechnik-Mechanikerin im Sap Sanitätshaus & Orthopädietechnik in Weener und ist voll auf zufrieden.

Unbewusst hat sie sich für eine Männersparte entschieden. „Die Frauen sind aber auf dem Vormarsch“, erklärt Geschäftsführer Matthias Sap. Mit dem technischen Fortschritt sei der Beruf nicht mehr so körperlich belastend wie früher. Dennoch, „wir zeichnen erstmals eine Orthopädietechnikerin als ‚Lehrling des Monats‘ aus“, sagt Dieter Friedrichs. Inhaberin Jutta Sap und ihr Sohn sind sehr stolz auf ihre Leistung – zumal Freya Diddens gemeinsam mit Yannik Joel Averesch die ersten Auszubildenden des jungen Unternehmens sind. „Ihre handwerklichen Fähigkeiten liegen bei weitem über dem derzeit geforderten Lernpensum“, wird sie gelobt. Sogar an sogenannte Knie-ex-Prothesen hätte sie sich gewagt. Das künstliche Bein kommt nach einer seltenen Operationsform zum Einsatz, bei der der Unterschenkel direkt am Kniegelenk amputiert wird. Das Herstellen von künstlichen Gliedmaßen (Prothesen) sowie Konstruktionen zur Unterstützung von Rumpf, Armen und Beinen (Orthesen) gehört zu ihrem Berufsalltag.

Außerdem darf sie bereits selbstständig Kunden betreuen, wenn es um das Anfertigen von orthopädietechnischen Hilfsmitteln wie Schienen, Bandagen oder Schuheinlagen geht. Dabei arbeitet sie eng mit den Patienten, Ärzten und Therapeuten zusammen. „Die Kunden reagieren sehr positiv auf Freya“, sagt Jutta Sap. Berührungsängste hat sie nicht: „Ich mag gerne reden“, erzählt die Auszubildende. Auch habe sie bereits in der Schule und während eines Praktikums den Umgang mit behinderten und pflegebedürftigen Menschen gelernt.

Vor zehn Jahren hat sich Jutta Sap in der Männerdomäne mit einem Sanitätshaus im Klinikum Leer selbstständig gemacht. Kurze Zeit später stellte sie Mitarbeiter ein und eröffnete nach fünf Jahren ein zweites Sanitätshaus im Krankenhaus Rheiderland. „Viele Berufskollegen haben anfangs gesagt: ‚Mal schauen, wie lange sie es macht‘“, erzählt sie. Dann, vor eineinhalb Jahren, hat sie gemeinsam mit ihrem Sohn und ihrem Mann in Weener in der Industriestraße einen neuen Firmensitz mit einer orthopädietechnischen Werkstatt eröffnet.

„Wir sind in den Berufsabschlüssen und in der Technik auf dem neuesten Stand“, ergänzt Matthias Sap. Insgesamt 14 Mitarbeiter, darunter ein Orthopädieschuhmacher-Meister und ein Diplom-Ingenieur für Orthopädietechnik, stehen in Lohn und Brot. Neben einem Verkaufsraum und Werkstätten mit Maschinenparks gibt es eine große Laufanalyse-Abteilung. Um das Angebot zu komplettieren, ist außerdem eine Erweiterung des „Gehparks“ im Außenbereich in Planung. Dort sollen Kunden ihre Prothesen auf den verschiedenen Untergründen austesten. Allen Unkenrufen zum Trotz „läuft es also ganz gut“, resümiert die Inhaberin lächelnd.

BloggerAmt