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Proteste der Milchviehhalter vor dem Handel Ausdruck der Verzweiflung

Kategorie Allgemein, Landwirtschaft 23. September 2015
Proteste der Milchviehhalter vor dem Handel Ausdruck der Verzweiflung

Foto: Juergen Jotzo_pixelio.de

Die Proteste der Milchbauern in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen vor dem Lebensmitteleinzelhandel sind ein deutliches Zeichen, wie verzweifelt die wirtschaftliche Situation der Milchviehhalter schon seit längerem ist.
Die Milchviehhalter stehen mit dem Rücken zur Wand und nehmen daher alle Marktbeteiligten in die Pflicht – nicht nur die Politiker der Bundesregierung, die hauptverantwortlich dafür sind, wie sich der Milchmarkt weiter entwickeln wird.

Da im Herbst traditionell die Preisrunden zwischen Molkereien und Handel stattfinden, werden die Beteiligten mit diesen neuerlichen Protesten aufgefordert, ihrer Verantwortung für die Milchbauern gerecht zu werden. Diese haben aufgrund ihrer Marktposition sowie aufgrund des Überangebots an Milch und damit des fehlenden Wettbewerbs selbst noch immer keinerlei Verhandlungsmacht innerhalb der Wertschöpfungskette.

Obwohl längst auch unter Molkereien und zum Teil auch beim Handel Konsens darüber besteht, dass die Marktsituation eskaliert und die Milchviehhalter diese Situation nicht mehr lange durchhalten werden, halten diese noch immer still.
Der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter BDM e.V. hält dies für unverantwortlich und fordert daher alle Marktteilnehmer der Milchbranche auf, Verantwortung zu übernehmen und ihren Teil dazu beizutragen, dass sich die Lage für die Milchbauern schnell verbessern kann. Neben Preiserhöhungen gehören dazu auch deutliche Signale von Molkereien, Lebensmitteleinzelhandel und auch aus dem vor- und nachgelagerten Bereich an die Politik, dass die Forderungen der Milchviehhalter unterstützt werden, die ein sinnvolles Krisenmanagement etablieren wollen, das das Überangebot an Milch in Angriff nimmt.

Preiserhöhungen des Handels, wie sie Lidl für die Trinkmilch angekündigt hat, sind ein wichtiges Signal, betreffen aber nur einen kleinen Teil der Milch, wenn sie auf die Trinkmilch beschränkt bleiben. Nur etwa 37% des deutschen Milchaufkommens geht überhaupt an den Lebensmitteleinzelhandel und davon wiederum 17% in Form von Trinkmilch. „Sollen die angekündigten Preiserhöhungen mehr als nur ein PR-Gag sein, ist es wichtig, dass diese auf alle Milchprodukte ausgeweitet werden und sich der Handel vollständig beteiligt“, erklärt BDM-Vorsitzender Romuald Schaber. „Und selbstverständlich muss gewährleistet sein, dass der Mehrerlös komplett und umgehend bei den Milchbauern ankommt.“ Aber auch die Erlöse für den großen Teil der  Milch, der als Rohstoff  für die Ernährungsindustrie dient, müssen nach Ansicht des BDM sofort dringend angehoben werden. „Das Preisniveau  von Milchpulver, Fett, Eiweiß, Laktose etc. ist unerträglich und bedeutet gerade für Milchbetriebe, die investiert haben, wirtschaftlich das sichere Aus“, so Schaber weiter.

Kurzerklärung zum Marktkrisenmanagement-Konzept des BDM:
Der BDM hat mit seinem Marktkrisenmanagement-Konzept ein modular einsetzbares Gesamtpaket an Krisenmaßnahmen vorgelegt, das die bestehenden Kriseninstrumente Intervention und Private Lagerhaltung integriert, aber um neue Schritte erweitert. Wenn es wie in der aktuellen Krise nicht mehr ausreicht, nicht nachgefragte Mengen einzulagern, sollen die Milchmengen nach einer Frühwarnung zeitlich befristet gedeckelt werden können, um weiteren Preisdruck und Wertschöpfungsverluste für die Milchviehhalter zu vermeiden. Das BDM-Konzept zum Marktkrisenmanagement, das ausdrücklich nur zeitlich befristet für die Krise greift, setzt auf so viel unternehmerische Freiheit für die Milchviehhalter wie möglich. Eine in der Krise zeitweise notwendige Deckelung der Milchmengen dient allen, da sich die Preise so schneller erholen können und massive Wertschöpfungsverluste vermieden werden können.

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