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Weiblicher Ostfriesenexport kommt groß raus

Kategorie Allgemein, Kammern 28. Oktober 2015
Bild_Portrait: Silja Rabenberg, Tischlermeisterin und Konstrukteurin im Innenausbau, hat sich ihren Beruf zielstrebig erobert. Foto: HWK

Bild_Portrait: Silja Rabenberg, Tischlermeisterin und Konstrukteurin im Innenausbau, hat sich ihren Beruf zielstrebig erobert. Foto: HWK

Tischlermeisterin Silja Rabenberg mischt im exklusiven Innenausbau mit.

Ostfriesland. Exakt müssen die Maserungen aneinander liegen. Übergänge dürfen nicht zu sehen sein. In ihrem Handwerk geht es um zehntel Millimeter. „Was echte Präzisionsarbeit ist, habe ich erst bei meinem jetzigen Arbeitgeber gelernt“, erzählt Tischlermeisterin Silja Rabenberg. Qualität und Kundenservice sind es, die das Dresdner Unternehmen „Deutsche Werkstätten Hellerau“ ihren Kunden im Ausbau von Anwesen, Yachten und Vorstandsetagen anbietet. Die 29-jährige Ostfriesin aus Detern arbeitet seit zwei Jahren als Konstrukteurin im Team des 260-Mitarbeiter-Unternehmens.

Derzeit ist sie in der Schweiz als Fachbauleiterin für den Innenausbau einer Villa tätig. Dort ist sie Ansprechpartnerin für die Tischler und behält den Überblick. In der übrigen Zeit arbeitet sie in Dresden im „Engineering“ mit 160 Mitarbeitern im Großraumbüro. Sie ist zum Teil Schnittstelle zwischen den Architekten und den Tischlern. Konstruktionen für Einrichtungselemente erstellen, technische Zeichnungen anfertigen oder Materiallisten erstellen, gehören zu ihrem Arbeitsalltag. Ein Traumberuf.

Einfach war der Weg dorthin nicht. Nach ihrem Realschulabschluss wusste sie lange Zeit nicht, in welche Richtung es gehen sollte: „Ich wollte mich nicht richtig festlegen.“ Die Vorstellung, sich für einen einzigen Beruf zu entscheiden, war für sie erschreckend. Heute weiß sie, dass man seiner Karriere viele Wendungen geben kann, „man muss sich nur Ziele stecken“. Nach einer Berufsorientierung in der Handwerkskammer für Ostfriesland und einem anschließenden Praktikum entdeckte sie das Tischlerhandwerk für sich. „Mit den Maschinen arbeiten und selbst was mit den Händen herstellen, das ist einfach nur cool“, sagt sie.

Im Berufsgrundbildungsjahr kam dann die erste Ernüchterung. Trotz Bestnoten war es für Silja Rabenberg schwierig, eine Ausbildungsstelle in der Männerdomäne zu finden. Über 40 Bewerbungen hatte sie geschrieben. Nur zwei Betriebe zogen sie in Betracht. Viele Absagen trudelten ein, „einfach, weil ich das ‚falsche‘ Geschlecht habe“, erzählt sie. Entmutigen ließ sie sich dadurch nicht. „Ich wollte mir von niemandem einreden lassen, dass ich etwas nicht kann, nur weil ich kein Mann bin“, erzählt Silja Rabenberg.

Ein Praktikum später bekam die damals 19-Jährige eine Zusage von den Möbelwerkstätten Leerhoff GmbH in Hesel (Leer). Als erste Frau begann sie dort die Ausbildung. „In den ersten drei Wochen hatte ich nur Muskelkater.“ Es galt Muskelmasse aufzubauen und auch die männlichen Kollegen von ihrem Können zu überzeugen: „Ich habe mir ungern etwas aus der Hand nehmen lassen“, erzählt sie. Auf den einen oder anderen Spruch gab es ordentlich Paroli und irgendwann lief‘s. So gut sogar, dass sie ihre Ausbildung mit Auszeichnung bestand. „Der Beruf ist auch einfach soooo toll“, schwärmt sie. Man bekäme eine solide Basis für handwerkliche Grundfertigkeiten, die sie gleich während eines achtmonatigen Auslandsaufenthalts in Kanada bei einem „Handyman“, einem Handwerker für alles, unter Beweis stellte. Trockenbau, Boden verlegen, Leitungen installieren oder Malerarbeiten standen auf dem Programm.

Zurück in Deutschland schrieb sie sich in die Fachschule Holztechnik und Gestaltung in Hildesheim ein – wieder als einzige Frau in der Klasse. Zielstrebig zog die junge Handwerkerin ihre Fortbildung durch. Nach drei Jahren hatte sie mit 27 Jahren dann die Abschlüsse staatl. Geprüfte Holztechnikerin und Gestalterin in der Tasche und legte parallel die Tischlermeisterprüfung ab. Trotz der schlechten Bewerbungserfahrungen ging Silja Rabenberg die erneute Jobsuche wieder mutig an. Sie bewarb sich bei den Deutschen Werkstätten Hellerau und konnte auch dort mit ihrem Talent überzeugen.

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